Özge Altun: Changement pas dans les urnes, mais sur la rue

August 2016

Als angehende Zeitschrift haben wir uns nicht nur das Ziel gesetzt, junge Literatur, sondern vor allem auch gesellschaftskritische Literatur zu veröffentlichen. Daher erschien es uns nur logisch, uns auch mit zumindest einer politischen Stimme in Paris zu treffen.

Mit politischen Organisationen in Kontakt zu treten gestaltete sich jedoch insgesamt als recht schwierig, da z.B. UNEF (die Studierendengewerkschaft in Frankreich) wie viele Institutionen in Paris im August Sommerpause hatten. Schließlich gelang es uns über persönliche Kontakte und einige Ecken und Kanten mit Özge Altun von DIDF jeunes in Kontakt zu kommen. DIDF jeunes ist die Jugendorgani­sation von Franzosen und Französinnen mit türkischem oder kurdischem Hintergrund und mit der deutschen DIDF Jugend vernetzt.

Özge Altun beschäftigt sich innerhalb von DIDF jeunes vor allem mit Themen, die mit der Situation von Frauen zu tun haben. Sie strebt ein solidarisches Netzwerk unter Frauen an, die für einander in schwierigen Situationen einstehen, statt einander als Konkurentinnen wahrzunehmen. Aber natürlich spielt in ihrem aktuellen politischen Handeln und Denken vor allem das „Loi travail“, das neue Arbeitsgesetz Frankreichs eine Rolle.

Die junge Generation in Frankreich ist, laut Özge, durchaus politisiert. Es herrsche eine „culture de la révolution et des années soixantes“. Sie seien auch diejenigen gewesen, die Hollande mit der Hoffnung auf eine neue politische Richtung gewählt haben. Hollande habe sich allerdings eher als einer der „Rechten“ in der Sozialistischen Partei erwiesen; daher habe man als WählerIn heutzutage in Frankreich nur die Wahl zwischen „rechts und sehr rechts“. Sie selber, meint sie, sei von der Parteienlandschaft desillusioniert und würde nächstes Mal gar nicht wählen. Eine Veränderung sei nicht mehr durch die Wahlurne, sondern nur noch auf der Straße zu erreichen.

Noch dazu kommt, das viele Jugendliche auch von den Terrorakten stark verunsichert seien worden. Sie wünschen sich mehr Sicherheit und sind somit eher bereit, Parteien wie die „Front National“ zu wählen. Sie scheint frustriert, als sie berichtet, dass selbst einige Zuwandererfamilien für die „Front National“ stimmen.

Für die Literatur sieht sie wenig Zukunft als Ausdrucksmittel der Unzufriedenheit der jungen Generation; im Internet gäbe es zu viel Ablenkung, um sich hinzusetzen und zu lesen. Am ehesten, meinte Özge, drücken sie sich im Slam aus, oder im Rap; daher seien Künstler wie Kerry James, HK et les Saltinbanks oder Youssupha so beliebt.

Trotz aller Rückschläge und Ernüchterung möchte Özge Altun ihre politische Arbeit fort­setzen und für eine Zukunft ohne Rassismus oder Faschismus. Oder positiv aus­ge­drückt: Für eine Zukunft der Brüderlichkeit, Freundschaft und Solidarität unter allen Arbeiter­Innen. Integration sei daher nicht eine Angleichung der ZuwandererInnen, sondern das gemeinsame Erfinden einer neuen Gesellschaftsform für alle mit ebendiesen Werten.

Redaktion E.M.

 

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