Roumain Chambalaune: Die Dame mit dem Sternen-Bikini

August 2016

Wir treffen uns mit Roumain Chambalaune, Fotograph und Künstler in verschiedenen Bereichen. Wir haben ihn zufällig übers Couchsurfen kennengelernt und waren uns nicht ganz sicher, worauf wir uns einlassen, als wir an der verabredeten Kneipe ankommen.

Mit dem Kopf noch in Versailles, zwischen hohen Zierhecken und üppigen Springbrunnen, betreten wir die schummrige Bar „Les Père Populairs“. Freudiges Händeschütteln, nachdem Mitlied Nr.1 zu verstehen gibt, dass sie den französischen Brauch der Bisous seltsam findet. Wir trinken Limonade  und man einigt sich auf Englisch. Zunächst wird uns erklärt, dass es in Paris genau zwei Orte gibt, an denen man Kaffee für einen Euro bekommt – die Adresse der zweiten Bar schreiben wir uns gleich auf. Draußen geht die Sonne unter, die Musik spielt los, und Romain überhäuft uns mit Fragen.

 

Es ist tatsächlich erfrischend, sich mit jemandem zu unterhalten, der noch genau wie wir ahnungslos am Anfang einer Projektidee steht, deren Durchführung sich (wie die meisten Projekte im Kulturbereich) recht schwierig gestaltet. Zunächst tauschen wir uns über das jeweilige Konzept aus: Während wir schon eine periodisch erscheinende Zeitschrift im Sinn haben, konzentriert sich Romain zunächst auf die erste Ausgabe seines „Euromags“, das er mit einem Freund zusammen ins Leben rufen will. Für eine Fortführung gibt es noch keine Pläne – „wir haben noch kaum ein Konzept im Kopf, wie sollen wir da über weitere Ausgaben nachdenken?“ Die europäische Ausrichtung ist dabei kaum zu übersehen: Die Auflage soll 2800 Stück betragen, für jedes europäische Land hundert Magazine (wir lachen und denken kurz wehmütig an jene Insel). Ein Gewinn ist dabei nicht vorgesehen: die Zeitung soll einen Euro kosten, wie die Bild, sagt er. Reißerisch, satirisch, sie soll Aufmerksamkeit erwecken, und vor allem soll sich jeder von ihr angesprochen fühlen. Deshalb wird sie auch auf Englisch erscheinen. Doch was genau wird nun veröffentlicht?

 

Wichtig ist ihm zunächst, dass das Ganze eine Überraschung sein soll – keine großen Vorankündigungen, keine Facebookseite. Die Künstler suchen sich die beiden Redakteure aus allen europäischen Ländern zusammen – so haben sie schon einen griechischen Photographen an Bord, der eine Photostory mit Schauspielern kreeirt (der genaue Inhalt soll hier noch nicht verraten werden; in einem Jahr kann man live nachlesen!). Im Unterschied zu uns bietet Euromag seinen Künstlern Honorare, jedoch sind diese auch bekannte und vielbeschäftigte Vollzeitartisten, die sich dem Projekt sonst wohl kaum verschreiben würden. In der Disziplin sind keine Beschränkungen gesetzt – jeder künstlerische Ansatz zu unserem Kontinent ist willkommen.

Im Prinzip soll Euromag eine Satire auf Zeitschriften wie die Bild werden. Knallig, bunt, nackte Frauen – nur eben von Künstlern mit einem Hintergedanken gestaltet. Wir schlagen ihm vor, Sticker mit einer Frau im Europa-Bikini zu drucken, er ist begeistert. Wir tauschen Werbeideen aus, wie bekommt man die Leute dazu, unsere Zeitschriften zu lesen? Was allgemein feststeht: Es wird nicht einfach.

Redaktion N.O.

Anmerkung: Inzwischen wurde das Magazin veröffentlicht, allerdings nur digital, für mehr hat es finanziell nicht gereicht. Es ist übrigens super. Lest es mal. http://europe-mag.eu/europemag%20documenta%2021×27%20WEB.pdf

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