Alban Lefranc, La mer gelée

August 2016

Alban Lefranc ist der Gründer des deutsch-französischen Literaturmagazins „La Mer Gelée“ (http://lamergelee.tumblr.com/). Er spricht mit uns über seine Erfahrungen und Konzepte mit einem bilingualen, sehr anspruchsvollen Literaturmagazin.

Insgesamt haben wir viel über die Pro und Contra Seiten des Literaturlebens erfahren:

Einerseits hat man durch den Austausch mit anderen Autoren mehr Ansporn selbst Texte zu schreiben und stellt sich neuen Herausforderungen. Doch andererseits ist es auch viel Arbeit eine Zeitschrift zu gründen und zu führen. Man sollte organisatorischen und  administratorischen Aufwand nicht unterschätzen. Für Alban sei „jede Ausgabe ein Erfolg“ und er „ plane nicht weiter“. Er erzählte uns von ihrem Layout und dass sie ihren Grafikern „freie Hand“ lassen. In zwei Fällen sei das extrem gut gelaufen, mit  der aktuellen Ausgabe sei er allerdings nicht zufrieden. Seiner Meinung nach sei diese Ausgabe „zu schick“ geworden, was der Leserschaft aber gefalle. Insgesamt versuchen sie die Informationen über die Autoren minimal zu halten. Früher gab es noch kurze Biografien, doch heute versuchen sie „alles gegen Narzissmus“ zu gestalten.

 

Nach fünf Jahren Pause war das die erste Ausgabe. Sie erscheinen einmal im Jahr und jede ihrer Ausgaben hat ein Thema. Das Thema der jetzigen ist „Hund“ und das der nächsten wird „Mama“ sein. Die Themen sind mit Absicht nicht politisch gewählt, dafür sollen sie politisch und kritisch umgesetzt werden. In dieser Ausgabe waren vor allem Texte der Redaktion enthalten, was sie in der nächsten aber ändern wollen und den Autorenkreis für neue Autoren öffnen wollen. Auf die Frage hin, warum sie den Hund als ihr Thema gewählt haben, erklärte Alban, dass es sich dabei um ein weniger edles Tier handle als das Pferd zum Beispiel und dieser „von unten her, nicht von oben“ erzählen würde.

 

Natürlich kam im Gesprächsverlauf auch kurz das Thema Terrorismus und Sicherheit in und um Paris auf. Nicht nur uns kam die Stadt sehr leer vor, auch Alban bestätigte das Fehlen der Touristenmassen. Dafür fiel uns aber vermehrt Militär und Polizei auf, die in der Stadt (und besonders an Sehenswürdigkeiten und Kirchen) verteilt zu finden waren. Alban bemerkt, dass er das in Deutschland so nicht für möglich halten würde, und wir bestätigten ihm, dass bei uns zwar auch mehr Polizei als früher an z.B. den Bahnhöfen gab, die extreme Präsenz wie in Frankreich aber noch nicht zu finden sei.

 

Als das Gesprächsthema in Richtung Europa wanderte, bekamen wir ganz andere Ansichten zu hören als vor ein paar Tagen bei unserem Treffen mit europe:

Politische Themen werden in la mer gelée eher indirekt behandelt, da es sich dabei ja um eine Literaturzeitschrift handelt.

Deswegen sei auch keine Intention vorhanden, einen Pro – Europa Text zu schreiben, trotzdem seien sie alle pro – Europa eingestellt. Außerdem wäre zum Beispiel die Tatsache dass sie in mehreren Sprachen schreiben ja schon eine indirekte Bejahung von Europa, meinte Alban.

Seiner Meinung nach würde Europa einerseits einiges richtig machen (z.B. das Erasmus-Programm), habe andererseits aber auch „Griechenland vernichtet“. Zudem würden die meisten Europäer nur eine Sprache sprechen (nämlich ihre eigene), zumindest habe er diese Erfahrung schon häufiger in Frankreich gemacht. Die meisten Franzosen seien auf Frankreich begrenzt und würden wenig Interesse an z.B. Deutschland haben. Deswegen sei es auch schwierig mit einer deutsch – französischen Zeitschrift in Frankreich Anklang zu finden. Junge Franzosen würden sogar englisch nur begrenzt sprechen können, was für ihn ein Zeichen für das Scheitern Europas sei.

Fremdsprachen seien hier wenig nachgefragt und noch weniger anerkannt.

Paris, Stadt der Kosmopolität und europäischer Verständigung.

 

Redaktion L.I.

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